Mieten und Löhne in Leipzig

Die Mieten steigen – die Löhne nicht

Das Wohnen in Leipzig wird teurer und ist vor allem für Marginalisierte problematisch. Denn auch wenn der gesamte Leerstand instand gesetzt werden würde, ist es unter aktuellen Marktbedingungen kaum möglich neue Wohnungen zum KdU-Satz (Kosten der Unterkunft) zu finden oder zu bauen. Die »Kosten der Unterkunft« legen die maximalen Miet- und Wohnkosten für Menschen in HartzIV-Bedarfsgemeinschaften fest und können gleichzeitig als Richtwert für preiswerten Wohnraum betrachtet werden. Zurzeit dürfen beispielsweise Menschen in HartzIV-Bedarfsgemeinschaften Wohnungen mit einem maximalen Mietpreis zwischen 4,60 – 4,80 € mieten (variiert je nach Anzahl der Personen eines Haushalts).

Das bedeutet, dass Menschen mit geringen oder keinem Einkommen es in Zukunft schwer haben werden, eine Wohnung zu finden. Während die Stadt in diversen Berichten die steigenden Mieten als ‚moderat’ beschreibt, zeichnet sich seit mehreren Jahren eine deutliche Belastung marginalisierter Gruppen in Leipzig ab. Die Mieten steigen deutlicher als das durchschnittliche Haushaltseinkommen von Leipziger_innen, das 2014 bei etwa 1660 € liegt. Der Kaltmietpreis pro Quadratmeter lag 2014 bei 5,08€ in den Bestandwohnungen. Die Neuvermietungsmieten sind aber deutlich höher bei etwa 7,10 €/m2. Senior_innen mit geringen Rentenbezügen, Menschen, die im Niedriglohnsektor arbeiten, Erwerbslose und andere mit geringem Einkommen müssen etwa 45% ihres Einkommens für Mieten und Wohnen ausgeben.

Seit den 1990er Jahren ist es das Ziel Leipziger Stadt- und Wohnungspolitik einen funktionierenden und attraktiven Wohnungsmarkt zu etablieren. Die Wohnraumversorgung wird auf einem Markt organisiert und der scheitert an einer gerechten Verteilung und Bereitstellung von bezahlbaren Wohnungen. Spätestens jetzt ist die Stadt mit den Konsequenzen konfrontiert: Der Großteil der Wohnungen wird von Akteuren angeboten, deren Ziel es ist mit Wohnraum Geld zu verdienen. Hinzu kommt, dass die Baukosten und Auflagen zum Bauen sind so hoch, dass es zurzeit kaum möglich ist, preiswerten Wohnraum zu schaffen. Diese beiden Faktoren zusammen führen dazu, dass es für die meisten Immobilienunternehmen rentabler ist, Gebäude »hochwertig« zu sanieren oder zu modernisieren und als Eigentumswohnungen zu verkaufen oder teuer zu vermieten. Denn so kann eine hohe Neuvermietungsmiete verlangt werden. Etwa ein Viertel der Leipziger_innen haben in den letzten Jahren eine Mieterhöhung bekommen, die nicht selten mit Modernisierungsmaßnahmen begründet wurden. Die Renditeinteressen gemeinsam mit den Baukosten führen zu einer Spirale die Menschen ausschließt, die dringend Wohnraum brauchen. Das bedeutet eben auch, dass das Ziel einer dezentralen Unterbringung von geflüchteten Menschen an Marktlogiken geknüpft ist. Man kann also die Mechanismen und Sachzwänge der Stadt Leipzig nachvollziehen, aber nicht tolerieren und akzeptieren.