Walli – Solidaritätszentrum

Solidaritätszentrum für Geflüchtete im Transit

alternative („Walli“) – Willy-Brandt-Allee 9 – 23554 Lübeck

Walli-FlugblattWas tun wir?

Längst nicht alle Geflüchteten wollen in Deutschland bleiben. Viele haben Schweden, Norwegen oder Finnland als Ziel. Manche haben dort bereits Verwandte oder Freund_innen, andere haben gehört,
dass es sich dort gut leben lässt. Wir fragen nicht nach den Gründen, sondern unterstützen diese Transit-Refugees, so gut wir können, ihr selbst gewähltes Zielland zu erreichen. Neben Rostock, Sassnitz und Kiel ist Lübeck-Travemünde einer der Fährhäfen, von dem
eine direkte Verbindung nach Schweden (Trelleborg und Malmö) möglich ist.
Seit dem 9.9.2015 haben wir schon über 4000 Geflüchtete vom Bahnhof abgeholt, sie mit Informationen, Essen, Kleidung, medizinischem Rat und Übernachtungsplätzen versorgt.
Wir buchen hier auf der Walli zentral die Fährtickets und organisieren (mit Unterstützung des Lübecker Stadtverkehrs) den Transfer nach Travemünde, wo bis zu 4x täglich Fährabfahrten stattfinden.
Die Fährtickets bezahlen wir zunächst aus Spendengeldern, damit alle fahren können und niemand zurückbleibt. Dafür haben wir bislang mehr als 150.000 Euro ausgegeben, wovon durchschnittlich 50% durch freiwillige Beiträge der Refugees gedeckt werden.
Menschen, die in Deutschland bleiben wollen, unterstützen wir dabei, sich bei den Behörden zu melden. Wir sind aber keine Dauerunterkunft und wollen dies
auch nicht werden. Die menschenwürdige Unterbringung und Versorgung dieser Menschen ist Aufgabe der deutschen Behörden.

Warum tun wir das?

Die meisten Geflüchteten, die wir hier unterstützen, kommen aus Syrien, dem Irak, aus Afghanistan oder aus Eritrea – also Ländern, in denen Krieg, Elend, Unterdrückung und Hoffnungslosigkeit an der Tagesordnung sind. Niemand macht sich leichtfertig auf so eine
gefährliche Reise.
In den letzten Wochen haben die Refugees bewiesen, dass sie sich dabei nicht aufhalten lassen werden – nicht durch Zäune, nicht durch Militär oder Polizei.Die Mauern der Festung Europa sind ins Wanken gekommen, die Grenzen sind durchlässig geworden. Der „March of Hope“ ist auch ein Kampf gegen die Abschottung Europas.
Jede verweigerte Registrierung und jeder selbstbestimmte Grenzübertritt ist Teil eines Kampfes um Bewegungsfreiheit, den wir unterstützen. Das ist für uns gelebte Solidarität, die Grenzen überwindet.
Neben dieser Bewegung der Geflüchteten ist nahezu überall in Europa eine breite Solidaritätsbewegung entstanden, die die Refugees unterstützt.Viele Menschen haben Geflüchtete versorgt oder in ihren Autos mitgenommen. Sie haben nicht danach gefragt, ob sie diese Hilfe legal oder illegal ist, sondern einfach getan, was das Richtige ist.
Unser Solidaritätszentrum auf der Walli ist Teil dieser Bewegung. Wir sind gut vernetzt mit ähnlichen Initiativen in Hamburg, Kiel, Rostock, Flensburg und Greifswald, mit denen wir den Transit nach Skandinavien koordinieren. Auch uns ist schon vorgeworfen worden, wir würden Beihilfe zum illegalen Grenzübertritt leisten. Wir tun es trotzdem, weil es das Richtige, das unmittelbar menschlich Gebotene ist.

Nach welchen Grundsätzen handeln wir?

Die Solidaritätsarbeit auf der Walli orientiert sich an den Grundsätzen des Respekts, der Gleichberechtigung, der Selbstorganisation und der Freiwilligkeit.
Alle Menschen, die sich hier engagieren – ob sie Fährbegleitung machen, Tickets buchen, Klos putzen, Essen zubereiten oder Sachspenden organisieren – machen dies ausnahmslos freiwillig und unentgeltlich. Das gilt auch für die vielen freiwilligen Übersetzer_innen, ohne die das gesamte Projekt nicht funktionieren würde.
Die Geflüchteten fragen wir nur nach einem Beitrag für das Fährticket – die gesamte Versorgung und Unterbringung ist ansonsten komplett gratis.
Wir geben Informationen und Ratschläge, so gut wir es vermögen. Aber wir respektieren stets die eigenen Entscheidungen der Geflüchteten, insbesondere über ihre Reiseziele und Reiserouten.
Unser Solidaritätszentrum konnte deshalb spontan und in kürzester Zeit entstehen, weil wir in diesem Zentrum jahrelange Erfahrungen mit Selbstorganisation haben. Die  verschiedenen Bereiche können erst einmal autonom arbeiten, es wird nicht mehr koordiniert als notwendig. Die Koordinationen geschieht in basisdemokratischen Plena – nicht durch starre hierarchische Strukturen.
Auf unserem Gelände gibt es keine Uniformen, keinen Sicherheitsdienst und keine Polizei. Das ist uns wichtig – gerade angesichts der schlimmen Erfahrungen, die viele Geflüchtete mit Sicherheitsorganen in ihrer Heimat oder auf ihrer Flucht, z.B. in Ungarn, gemacht haben.

Wie kannst du mitmachen?

In den vergangenen knapp drei Wochen haben hunderte Menschen mit angepackt und unsere Solidaritätsarbeit möglich gemacht. Dabei sind viele, die vorher noch nie einen Fuß auf die Walli gesetzt haben und die vielleicht auch Schwellenängste überwinden mussten, sich in einem linken Zentrum zu engagieren. Dabei sind ganz viele tolle Begegnungen und Erfahrungen entstanden!
Jeden Tag müssen Betten gemachen, Klos geputzt, Küchendienst übernommen, Sachspenden sortiert, Autofahrten gemacht werden usw. Die Koordination dieser Tätigkeiten findet am Helfer_innen-Infopunkt gleich rechts unter dem weißen
Zelt in der Toreinfahrt statt. Außerdem gibt es einen Online Schichtplan, in den ihr euch selbst eintragen könnt:
Dort – und über unsere Facebook-Seite „Lübecker Flüchtlingsforum“ – erfahrt ihr auch, welche SACHSPENDEN gerade gebraucht werden. Bitte nicht einfach den Keller leer räumen, sondern sich zuerst informieren, was der aktuelle Bedarf ist! Der Helfer_
innen-Infopunkt ist auch telefonisch erreichbar: 0157- 50361462
Für weitere Fragen steht der Helfer_innen-Infopunkt, das Orga-Team und alle Aktiven jederzeit gern zur Verfügung.

Ganz wichtig sind GELDSPENDEN für die Fährtickets! Gern in bar im Orgabüro im Vorderhaus vorbeibringen – oder auf das Spendenkonto des Lübecker Flüchtlingsforums überweisen:
Lübecker Flüchtlingsforum e.V.
Bankverbindung: Sparkasse zu Lübeck
IBAN: DE23 2305 0101 0160 2777 52
BIC: NOLADE21SPL

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