Statement des Social Center for all! Leipzig

[english below]

Liebe Unterstützer*innen und Kritiker*innen,

ein Interview, das in der März- Ausgabe des Stadtmagzins Kreuzer abgedruckt und im Internet veröffentlicht wurde (http://kreuzer-leipzig.de/2016/03/07/ein-ort-des-gesammelten-protests/ ), hat einige Diskussionen ausgelöst. Das Interview wurde uns leider nach dem Redigieren durch die Redaktion nicht noch einmal zugesandt. Die Interviewten fühlen sich missverstanden und einige andere teilen einige Einschätzungen nicht, sodass wir noch einmal ein paar Zeilen geschrieben haben, um brisante Punkte aus dem Text aufzugreifen.

Demonstrationen haben keinen Nutzen?!
Die Idee eines Social Center for all! entstand bei der Suche nach neuen, emanzipatorischen Praxisformen, die der rassistischen Bewegung etwas entgegensetzen können. Wir finden es natürlich wichtig und notwendig, sich Rassist*innen in den Weg zu stellen. Doch wir glauben, dass Demonstrationen und Kundgebungen allein nicht ausreichen. Das Social Center sehen wir als Ergänzung zum Protest auf der Straße. Wir sehen darin emanzipatorisches Potential und die Möglichkeit, Solidarität praktisch werden zu lassen und zu zeigen, dass es eine Alternative zur rassistischen Gesellschaft geben kann.

Social Center for all! und linke Politik?!
Es war nie unser Anliegen, uns von der “linken Szene” oder von bereits bestehenden “offenen Räumen” zu distanzieren. Wir machen linke Politik und leugnen dies nicht. Im Zentrum stehen für uns jedoch linke Inhalte. Linke Szene-Codes und linke Selbstverständniskeiten spielen bei uns eine möglichst kleine Rolle. Wir wollen ein Zentrum für alle aufbauen. Wir glauben, dass linke Inhalte insbesondere in Anbetracht der sich zuspitzenden Widersprüche überzeugen können. Dazu müssen wir jedoch möglichst auf Exklusivität verzichten und mit verschiedensten Menschen ins Gespräch kommen und eine gemeinsame, solidarische Praxis entwickeln. Deswegen ist uns Aufgeschlossenheit und Zugänglichkeit wichtiger als die Angst vor Repression. Und so wollen wir zeigen, dass die Extremismustheorie quatsch ist und uns nicht delegitimieren wird.

Keine Ziele, keine Inhalte und kein Konzept?!
Die mittlerweile viel zitierte Aussage von der Podiumsdiskussion, dass wir keine Ziele hätten, hat der Kreuzer schlicht falsch aufgegriffen. Natürlich ging es in der Veranstaltung auch um unsere Ziele. Nicht ausreichend beantwortet wurde aber die Frage aus dem Publikum nach der Relevanz von Inhalt. In der Frage ging es darum, wie wir im Rahmen der Praxisform eines Social Centers Inhalte platzieren können und welche Releveanz diese dort haben können. Diese Frage hat auch innerhalb der Initiative Diskussionen ausgelöst.
Die Frage nach den Zielen dagegen haben wir auch in vielen Pressebeiträgen immer beantwortet – während wir die Frage nach dem Konzept bewusst offen gelassen haben. Unsere Ziele sind klar: ein selbstverwaltetes soziales Zentrum, in dem Platz für politische Organisierung, Solidarität und Emanzipation ist. Dafür wollen wir kein festes, unflexibles Konzept zu haben, sondern ein offenes – an dem sich viele beteiligen können. Das konkrete Projekt kann sich erst in einem konkreten Raum durch die Kreativität und die Verschiedenheit Vieler entfalten. Deswegen brauchen wir ein Haus und zwar schnell.

Wir hoffen damit einige Fragen nocheinmal beleuchtet zu haben!
Social Center for All! Leipzig

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Dear supporters and critics,

an interview that was printed in the march issue of the city magazine Kreuzer and published online (http://kreuzer-leipzig.de/2016/03/07/ein-ort-des-gesammelten-protests/ ) triggered debates. Unfortunately the interview was not sent to us after editing. The interviewed persons feel misunderstood and some others do not share the opinion which is reflected by the interview. That is why we are writing some words regarding the most controversial aspects.

Demonstrations are useless?
The idea of the Social Center for all! developed during the search for new emancipatory practices which can counter the racist movement. Of course we agree that it is important and necessary to go to the streets against racists. But we believe that demonstrations and assemblies alone are not enough. We consider the Social Center as an addition to the protest on the streets. We see emancipatory potential and the possibility of practical solidarity in the Social Center – that means we see the possibility to show that there is an alternative to the racist society.

Social Center for All! and left-wing politics?
We never wanted to dissociate from the “left-wing scene” or from already existing “open rooms” in Leipzig. We are doing leftist politics and we don’t deny that. Thereby we focus on leftist content. The typical codes of the left-wing scene and leftist matter of facts play a minor role.
We want to establish a Center for all. We believe that left-wing content can convince – especially considering the increasing contradictions in this society. That’s why we try to do this without exclusivity and to come together in conversation with the most different people to develop a common practice in solidarity. Therefore openness and accessibility are more important to us than the fear of repression. In this way we also want to show that the “extremism theory” is nonsense and that it won’t delegitimize us.

No goals, no content, no concept?
The often quoted citation from the podium discussion which says that we don’t have any goals, was simply mistaken by the Kreuzer. Of course we also talked about our goals at this event. But only the question from the audience about the relevance of the content was insufficiently answered. The person asked how we could place content in the rather broad project of the Social Center and how relevant this would be. This question also raised discussions within the group.
On the other hand we always answered the question concerning the goals of the project – while we left the questions concerning the concept open. Our goals are obvious: a self-managed social center with a lot of space for political organization, solidarity and emancipation. Therefore we do not want a fixed and inflexible concept, but an open concept – which is open for the participation of everyone. The concrete project can only develop in a concrete room, triggered by the creativity and diversity of various people. That’s why we need a house – now!
We hope we could light up some questions!

Social Center for All! Leipzig